Stonehenge Solstice

Storytelling

10 Bauwerke,
die die Sonne lieben

Der Lauf der Sonne fesselt und inspiriert Architekten schon seit Jahrhunderten und beeinflusste den Bau antiker Schauplätze genauso wie moderner Städte. Oft steckt hinter diesen Bauten viel mehr, als anfangs ins Auge springt – wie versteckte Design-Eigenschaften, die erst durch die Sonne zutage treten. Wir stellen ihnen 10 Wahrzeichen vor, die sich durch den jeweiligen Sonnenstand verändern.

Stonehenge, UK

Diese britische Kulturikone gilt als technisches Meisterwerk und verblüfft Historiker wie Geologen gleichermaßen. Dabei handelt es sich um eine konzentrische Anordnung riesiger Hinkelsteine, von denen manche bis zu 25 Tonnen wiegen. Wie war es überhaupt möglich, solch eine schwere Last zu transportieren? Wie ließ sich die Struktur anordnen in einer Zeit, als es noch keine technologischen Hilfen oder Mechanisierung gab? Zu diesen Fragen gibt es unterschiedliche Theorien. Strittig ist auch der genaue Zweck der Steine. Bemerkenswert ist jedoch sicherlich die Ausrichtung am Sonnenuntergang der Wintersonnenwende und dem Sonnenaufgang der Sommersonnenwende. Tausende Besucher strömen jedes Jahr zu diesen berühmten Felsen – insbesondere an den wichtigen Tagen des Sonnenkalenders.

Pyramide des Kukulcán, Chichen Itza, Mexico

Diese berühmte Pyramide in Mexiko liegt im Zentrum einer antiken Maya-Stätte. Zweimal im Jahr erwacht das „Schauspiel der gefiederten Schlange“ zum Leben. An der Tag-und-Nacht-Gleiche im März und September fällt das Sonnenlicht so auf die Pyramide, dass entlang der 91 Treppenstufen ein Schatten in Form einer sich bewegenden Schlange entsteht. Die großen steinernen Schlangenköpfe am Fuße der Treppen verstärken diesen Eindruck noch. Dieses Schauspiel symbolisiert einen der wichtigsten Maya-Götter.

Das Pantheon, Italien

Diese Touristenattraktion im Herzen Roms ist bekannt für ihre einzigartige Lichtstimmung. Die berühmte Kuppel des Pantheons verfügt über eine kreisrunde Öffnung von neun Metern Durchmesser, das sogenannte Opaion. Dadurch gelangt Sonnenlicht (und Regen) in den Innenraum. Diese ungewöhnliche Anordnung beflügelt die Fantasie vieler Historiker und führte über die Jahre zu vielen unterschiedlichen Theorien. Im Jahr 2011 kam eine weitere dazu. Ihr zufolge diente das Loch als riesige Sonnenuhr. Historiker fanden zudem heraus, dass genau am 21. April das Sonnenlicht nach dem Einfall ins Pantheon zum Eingang des Monuments umgeleitet wird. Das ist vermutlich kein Zufall: der 21. April war der traditionelle Jubiläumstag der Gründung Roms. Es ist davon auszugehen, dass an einem solchen Feiertag der Kaiser das Denkmal besuchte.

Pantheon, Italy

Die antike Stadt Petra, Jordanien

Petra zählt zu den sieben neuen Weltwundern. Diese antike Stadt in Jordanien wurde in steile Felswände aus rotem Sandstein gemeißelt. Ein Besuch ist sicherlich zu jeder Jahreszeit beeindruckend. An gewissen Tagen jedoch eröffnet sich den Besuchern ein dramatischer Blick auf die gigantische Metropole aus Gräbern, Monumenten und anderen religiösen Strukturen. Denn dann werden wichtige Bereiche der Stätte von der Sonne hervorgehoben. Es ist strittig, ob die Stadt bewusst so errichtet wurde. Während Forscher heutzutage Statistik und Technologie nutzen, um die Orientierung der Sonne an den Monumenten zu berechnen, verließen sich die antiken Bauherren allein auf ihre Beobachtungen.

Ahu Akivi, Osterinsel

Die Osterinsel im Pazifischen Ozean gehört zu den entlegensten Orten dieser Erde. Nur 6.000 Menschen wohnen auf der Insel, aber über 80.000 besuchen sie jährlich. Eine der Hauptattraktionen sind die vielen kolossalen Steinstatuen (Moai), die über die kleine Insel verteilt sind. Von diesen gilt der Ahu Akavi als besonders heiliger Ort. Auf dieser Anlage stehen sieben identische Moai Statuen. Während der Tag-und-Nacht-Gleiche im Frühling blicken sie direkt in Richtung Sonnenuntergang. Während der Tag-und-Nacht-Gleiche im Herbst geht direkt in ihrem Rücken die Sonne auf. Es ist das genaueste astronomische Werkzeug der Insel.

Angkor Wat

Angkor Wat, Kambodscha

Wer an Kambodscha denkt, denkt vermutlich an Angkor Wat – das größte religiöse Gebäude der Welt. Diese ehrfurchtgebietende Tempelanlage ist Teil einer antiken Stadt. Während des 12. und 13. Jahrhunderts war Angkor die Hauptstadt eines Reichs, das von Malaysia bis nach Myanmar reichte. Der Tempel ist eine Nachahmung des Bergs Meru, dem heiligen Berg im Zentrum des Universums – der Hauptturm symbolisiert den Gipfel. Über diesem Turm erscheint an der Tag-und-Nacht-Gleiche (im März und September) die aufgehende Sonne und setzt dem Tempel eine strahlende Krone auf. Forscher der Universität Michigan haben 1976 in umfangreichen Studien herausgefunden, dass dieses Schauspiel wohl der Orientierung diente. Denn frühe kambodschanische Kalender basierten auf Mond- und Sonnenzyklen.

Jantar Mantar Observatorium, Jaipur, Indien

Die Sternwarte in Jaipur ist eine von fünf einzigartigen Observatorien, die zwischen 1724 und 1730 von Maharajah Jai Singh II. errichtet wurden. Sie ist das größte und am besten erhaltene dieser fünf Bauten. Die UNESCO Welterbestätte enthält verschiedene geometrische Vorrichtungen, um die Zeit zu messen, eine Sonnenfinsternis vorherzusagen, Sterne zu bestimmen und vieles mehr. Zudem beheimatet sie die größte Sonnenuhr der Welt. Genauer gesagt sind alle Vorrichtungen riesig. Sie wurden als dauerhafte Strukturen errichtet – im Gegensatz zu traditionell kleineren Apparaturen. Einige glauben, dass die Sternwarten an unterschiedlichen Orten im Land errichtet wurden, um Vergleiche anstellen zu können. Andere vermuten hingegen, dass es politische Gründe hatte.

Jantar Mantar Observatorium, Jaipur

Abu Simbel, Ägypten

Die beiden Tempel von Abu Simbel wurden in eine Felswand am Ufer des Nils gemeißelt. Sie gehören zu den meistfotografierten Sehenswürdigkeiten Ägyptens. Die Tempel wurden erbaut von König Ramses II. Der größere besteht aus vier jeweils 21 Meter hohen Statuen, die Ramses selbst darstellen. In der Mitte dieser gemeißelten Giganten befindet sich eine kleine Tür, die in den Tempel führt. Es mag angesichts der überwältigenden Umgebung unbedeutend erscheinen, aber zweimal im Jahr kommt es zu einem interessanten Licht-Phänomen. Dann lenkt die Tür Sonnenstrahlen direkt auf die Statuen von König Ramses II. und Amun (dem Gott des Lichtes), die sich im tief im Tempel liegenden Heiligtum befinden. Und es sind nicht einfach irgendwelche Tage: es wird vermutet, dass es sich um Ramses‘ Geburtstag und seinen Krönungstag handelt.

Newgrange, Irland

Dieses Hügelgrab ist älter als Stonehenge und die ägyptischen Pyramiden und mag auf den ersten Blick recht unscheinbar wirken. Einmal im Jahr aber offenbart sich seine Magie während der Wintersonnenwende. Wenn die Sonne aufgeht, flutet Sonnenlicht den 19 Meter langen Gang und die Grabkammer im Inneren des Bauwerks. Diese antike Stätte beweist, dass sich Kulturen seit Jahrtausenden für Sonne und Licht interessieren. Eine wichtige Information: Wenn Sie diesem Phänomen beiwohnen wollen, müssen Sie schnell sein – das Licht verschwindet bereits nach 17 Minuten wieder.

Manhattanhenge

Manhattanhenge, USA

Zweimal im Jahr, kurz vor der Winter- und Sommersonnenwende, geht die Sonne genau zwischen den Ost-West-Straßen Manhattans unter. Das Resultat? Das Licht fällt in gerader Linie durch die Schluchten zwischen den Wolkenkratzern. Auch bekannt als „Manhatten Sonnenwende“, geht der Begriff „Manhattanhenge“ auf einen Astrophysiker des American Museum of Natural History zurück. Es ist eine Referenz an den ersten Ort in unserer Liste. Der Wissenschaftler stellte eine kuriose These auf: Sollten einst die alten Ruinen von Manhattan ausgegraben werden, würde man davon ausgehen, dass es eine Art astrologischer Bedeutung habe. Zudem falle Manhattanhenge auf den Memorial Day und das All Star Game der amerikanischen Baseball-Liga. Folglich könnte es sich um zwei hohe Feiertage handeln, denen gehuldigt wurde! An anderen Orten in Nordamerika wie Montreal, Chicago oder Toronto lassen sich ähnliche Phänomene beobachten.